Alkohol

Inhaltsstoff Ethanol/Alkohol

Es wird wahrscheinlich kaum um einen anderen Inhaltsstoff so heiß diskutiert wie um Alkohol. Doch Vorsicht: Alkohol ist nicht gleich Alkohol. Alkohol bezeichnet zunĂ€chst lediglich eine chemische Stoffgruppe, welche die funktionale Alkoholgruppe als strukturelle Gemeinsamkeit aufweist.

Wir haben Zuckeralkohole wie Glycerin, Fettalkohole wie Cetearyl Alkohol... Heute soll es aber um den "bösen" Alkohol gehen, den wir in Kosmetikprodukten so fĂŒrchten: Ethanol. Ethanol ist die chemische Bezeichnung fĂŒr den Alkohol, den wir auch trinken.

Eine reizarme Alternative zur Reinigung und Pflege unreiner Haut bildet SalicylsÀure.

Kategorie

Lösungsmittel, Konservierungsmittel

Einsatzkonzentration

  • bis 10% dienen einer unterstĂŒtzenden konservierenden Wirkung
  • 15-20% dienen einer vollstĂ€ndig konservierenden Wirkung
  • 40-80% werden in Deos und Deosprays zum Lösen der Inhaltsstoffe und fĂŒr den Frischeeffekt eingesetzt
  • bis 60% in After Shaves mit antimikrobieller Funktion
  • bis 80% in ParfĂŒms zum Lösen der ParfĂŒmöle

Inci Bezeichnung und Derivate

Alcohol (INCI), Alcohol denat. (INCI), Alkohol, Ethylalkohol, Äthanol, Weingeist

Formulierung

Klare FlĂŒssigkeit, die leicht verfliegt. Einige kosmetische Rohstoffe lassen sich ohne Alkohol nicht in Wasser lösen. Man sollte genau auf die Einsatzkonzentration achten. Die Stelle in der Inci Liste sagt nichts Eindeutiges ĂŒber die Konzentration aus. Konzentrationen bis 20% gelten als nicht austrocknend. 

Facts

  • ï»żdient als Lösungsmittel in wasserbasierten Kosmetika fĂŒr jene Inhaltsstoffe, die nicht oder nur gering wasserlöslich sind
  • hat antimikrobielle Wirkung und wird daher gerne als Konservierungsmittel eingesetzt
  • fettlöslich - zu viel Alkohol entfernt das Sebum auf der Haut und fĂŒhrt daher zu Trockenheit und Irritationen als Folge einer gestörten Hautbarriere

Dreamteam

Es ist schwierig, bei Alkohol von einem Dream Team zu sprechen. NatĂŒrlich sind hier eben solche Inhaltsstoffe zu nennen, die ohne gar nicht in Kosmetik gelöst werden könnten. Wenn man auf solche Inhaltsstoffe nicht verzichten möchte, muss man manchmal eine kleine Alkoholmenge in Kauf nehmen, insofern die Formulierung ansonsten mild und pflegend ist. Dann ist es aber wichtig, die Haut im Anschluss gut zu versorgen!

An dieser Stelle möchte ich noch auf zwei gÀngige  Mythen eingehen, die im Zusammenhang mit Alkohol herrschen:

1. "Alkohol hat keinen Einfluss auf die Haut, denn er verfliegt ja sofort."

Es stimmt, dass Alkohol eine flĂŒchtige Substanz ist, die verdunstet. Dennoch gibt es diesen Moment, in dem Haut und Alkohol aufeinander treffen. Wenn eine zu hohe Konzentration auf die Haut trifft, dann reicht dieser Moment aus, um die zu irritieren.

2. "Alkohol öffnet den Weg fĂŒr andere Inhaltsstoffe."

NatĂŒrlich wird die Penetration erleichtert, wenn die Hautbarriere gestört wird. Allerdings ist hier der Zweck verfehlt. Denn genau so leicht gelangen dann auch Bakterien, Keime und andere Schadstoffe in die Haut.

Good to know

Um die Alkoholsteuer zu sparen, verwenden viele Hersteller denaturierten bzw. vergĂ€llten Alcohol (Inci: Alcohol den.), der nicht trinkbar ist. Beim VergĂ€llungsprozess kommen allerdings Substanzen hinzu, die fĂŒr sich schon Irrationspotenzial aufweisen können. [5]

In diesen Produkten findest du Alkohol

ï»żWir verwenden eine geringe Konzentration reinen, trinkbaren Alkohol in unserer Milden Reinigung fĂŒr eine konservierende Wirkung. So konnten wir auf klassische Konservierungsstoffe verzichten. Uns war es dabei aber wichtig, dass wir Alkohol nur in Produkten verwenden, die nicht dauerhaft auf der Haut verweilen. 

Literaturangaben

[1] Kwak et al., Ethanol perturbs lipid organization in models of stratum corneum membranes: An investigation combining differential scanning calorimetry, infrared and 2H NMR spectroscopy. Biochim Biophys Acta. 2012 May;1818(5):1410-9.

[2] Van der Merwe and Riviere, Comparative studies on the effects of water, ethanol and water/ethanol mixtures on chemical partitioning into porcine stratum corneum and silastic membrane. Toxicol In Vitro. 2005 Feb;19(1):69-77.

[3] Barba et al., Skin barrier modification with organic solvents. Biochim Biophys Acta. 2016 Aug;1858(8):1935-43.

[4] Zhang et al., Vehicle effects on human stratum corneum absorption and skin penetration. Toxicol Ind Health. 2016 Jul 19.

[5] Cosmetic Ingredient Review Expert Panel, Final report of the safety assessment of Alcohol Denat., including SD Alcohol 3-A, SD Alcohol 30, SD Alcohol 39, SD Alcohol 39-B, SD Alcohol 39-C, SD Alcohol 40, SD Alcohol 40-B, and SD Alcohol 40-C, and the denaturants, Quassin, Brucine Sulfate/Brucine, and Denatonium Benzoate. Int J Toxicol. 2008;27 Suppl 1:1-43.

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